Verwerte
deine Essensreste

ein Kurz-Animationsfilm der zum Aktiv werden animieren soll


Modul

Motion Design

Leistungen

Animation, Fotografie, Konzeption

Jahr/Semester

2023 / Sem.6


Projektbeschreibung

Im Modul „Motion Design“ wurde die Informationsvermittlung mit Hilfe von animierten Medienelementen behandelt. Neben Zeichnungen/Grafiken lag der Fokus dabei vorwiegend auf Medienelementen, die mit Foto- und Video-Kameras produziert werden (sog. Lens-Based-Media). Aufgabe war es, einen audiovisuellen Kurz-Animationsfilm mit dem Titel „Werde aktiv …“ zu konzipieren und zu realisieren. Dabei sollte ein eigenes, individuelles und originelles Thema behandelt werden, das zum einen eine möglichst große Zielgruppe anspricht, zum anderen aber auch in gewisser Hinsicht als neuartig aufgefasst wird. Hierfür wurde das Thema „Werde aktiv - Verwerte deine Essensreste“ ausgewählt. Anspruch war es, dass der Animationsfilm diese Thematik in einer audiovisuellen, innovativen und eigenständigen inhaltlichen Aussage transportiert. Durch eine differenzierte Darstellung der Hintergründe soll er eine bestimmte Zielgruppe sensibilisieren, zum kritischen Nachdenken und folglich zum Handeln animieren. Im Fokus der Konzeption stand vor allem die Erarbeitung einer inhaltlich begründeten, allgemein verständlichen und prägnanten Botschaft beziehungsweise Informationsvermittlung. An dieser Botschaft wurde so die gesamte Aussage, Dramaturgie und auch Gestaltung ausgerichtet. Anforderung an den Animationsfilm war es außerdem, dass er durch die verwendeten audiovisuellen und dramaturgischen Prinzipien (Storytelling) bzw. Elemente der Informationsvermittlung optimal verständlich ist. Der Animationsfilm soll ausschließlich mit den Mitteln der Bildsprache kommunizieren und im Grunde genommen auch ganz ohne Ton verständlich sein.
- Aufgabenstellung/Betreuung: Prof. Manfred Gaida

Finales Ergebnis

„Werde aktiv - Verwerte deine Essensreste“ lautet der Titel des finalen Kurz-Animationsfilms. Er befasst sich mit der Problematik von Lebensmittelverschwendung in der heutigen Zeit des Überflusses und setzt diese bewusst in Kontext zur Nachkriegszeit, einer Zeit, in der Lebensmittel Mangelware und Resteverwertung alltäglich und überlebenswichtig waren. Stellvertretend für diese beiden Zeiten und dem unterschiedlichen Umgang mit Lebensmitteln fungieren dabei Anna und ihre Oma Rosa. Sie holen den Betrachter auf emotionaler Ebene ab und vermitteln die Problematik mit rotem Faden durch eine passende Storyline.

Warum dieses Thema?

Die Entscheidung, sich mit der Verwertung von Essensresten zu beschäftigen, hatte mehrere Gründe, doch zu den wesentlichen Faktoren zählen vor allem: Das Thema betrifft jeden. Es handelt sich um ein offensichtliches Thema, für das so viele Menschen leider kein Bewusstsein haben und selbst die Menschen, die bereits ein Bewusstsein haben, können immer noch etwas Neues lernen, das sie vielleicht noch nicht wissen. Dadurch kann mit dem Animationsfilm bei einer breiten Zielgruppe ein "AHA-Moment" ausgelöst werden. Das Thema ist allgemein bekannt, wird aber meist eher als "nervig" interpretiert, was die Chance bietet, es gut in neuem Licht darzustellen, wodurch so dann wenig Konkurrenz in der Umsetzungsweise existiert. Zusätzlich werden moralische Aspekte, sowie die aktuelle Thematik von teuer werdenden Lebensmitteln aufgegriffen, was eine zusätzliche thematische Relevanz verspricht. Die Herausforderung bestand in folgendem vor allem darin, herauszufinden, wie das Thema neu belichtet werden kann, sodass es nicht "belehrend" und "nervig" wirkt. Außerdem musste dieses komplexe Thema dringend auf einen Teilbereich eingegrenzt werden, damit eine verständliche Message vermittelt werden kann, die in den vorgegeben zeitlichen Rahmen (45sek) passt.

Mögliche Inhaltskomponenten

Das es sich bei diesem Thema um ein sehr weitläufiges Thema handelt, wurden mit Hilfe einer Mindmap zunächst unterschiedlichste Unterbereiche aufgelistet, um mögliche Inhaltskomponenten für die Animation zu finden. Die Entscheidung fiel schlussendlich darauf, die Lebensmittelknappheit nach dem 2. Weltkrieg mit der heutigen Zeit gegenüberzustellen und sich damit zu beschäftigen, wie der Umgang Lebensmitteln früher war und heute ist. Dabei handelt es sich nämlich um die originellste und neuartigste Art und Weise, Resteverwertung im Haushalt zu vermitteln.

Aufbau des Inhalts

Der inhaltliche Aufbau besteht insgesamt aus drei Komponenten, die jeweils eine eigene Aufgabe erfüllen. Der Teaser führt den Betrachter zunächst zum Thema hin, indem die Protagonisten vorgestellt werden und auf die Lage nach dem 2. Weltkrieg zurückgeblickt wird. Danach folgt eine (indirekte) Problemstellung, indem eben nicht mit dem Finger auf jemanden gezeigt wird, sondern lediglich Bezug zur Gegenwart genommen wird und eine Erklärung folgt. Der „Appell“, beziehungsweise die Aufforderung erfolgt zum Schluss durch einen Trend, was das Thema mit einem positiven Impuls beendet und den Betrachter mit einem guten, motivierten Gefühl zurücklässt.

Konzept der Informationsvermittlung

Der vorgegebene Zeitrahmen von 45 Sekunden erforderte den Einsatz von kurzen und prägnanten Infos, die auf den Punkt gebracht werden aber trotzdem nicht zu plump wirken dürfen. Alles in allem muss ein schlüssiger Zusammenhang gegeben sein, was durch geschickte Formulierungen und Rückbezüge erzielt wurde. Eine hohe Merkbarkeit der Aussage des Kurz-Animationsfilms wurde durch eine Projektion auf Personen erreicht. Anna steht dabei stellvertretenden für die heutige Zeit/ Generation und eine im Überfluss lebende Gesellschaft, die eine gewisse Unwissenheit im Umgang mit Lebensmitteln hat. Oma Rosa hingegen steht stellvertretenden für die damalige Zeit und der in Armut lebenden Gesellschaft, die einen bewussten Umgang mit Lebensmitteln hatte. Rosa steht so auch für die früheren, verloren gegangenen Werte im Umgang mit Lebensmitteln. Die beiden Protagonisten ermöglichen einen emotionalen Zugang für den Betrachter durch ihre Oma-Enkel Beziehung. Jeder kann sich so irgendwie in einem der Protagonisten wiederfinden, denn „den Rat von Omas nimmt man immer gerne an!“ Bei der Erzählperspektive wurde aus Verständnisgründen und im Sinne eines guten Überblicks angesichts der kurzen Zeit auf einen auktorialen Erzähler gesetzt, wodurch der Betrachter dem Geschehen gut folgen kann. Das inhaltliche Konzept zielt darauf, dass alle Zuschauer durch eine emotionale Ebene, kurze verständliche Videos, einer Storyline, Wiedererkennungswert der Charaktere und Belange von verschiedenen Generationen abgeholt werden.

Storyboard

Durch die Erstellung eines handgezeichneten Storyboards wurde das inhaltliche Konzept anhand der Grundlagen von Gestaltungsmitteln und Ausdrucksmöglichkeiten der Bild-und Filmsprache visuell aufgelöst. Dabei wurden sowohl Schattierungen, Beleuchtungssituationen, Schärfeverteilung, räumliche Anordnung, Bewegungsabläufe sowie Kamerabewegungen berücksichtigt. Eine wichtige Vorgabe war nämlich die durchgängige Integration der Tiefendimension (z-Achse), welche zudem durch gestaffelte Elemente erreicht wurde. In diesem Sinne handelt es sich bei der Vorstellung der Protagonsiten beispielsweise um eine nahe Kameraeinstellung, was sie dem Betrachter emotional näher erscheinen lässt. Der folgende Zoom-Out zum Fotoalbum bildet die Verbindungsebene zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit. Der darauffolgende Zoom-In in das Foto von früher signalisiert dem Betrachter dann, dass man sich jetzt in der Vergangenheit befindet.

Animatic

Der nächste Schritt war, ein Animatic aus dem Storyboard zu erstellen. Bei einem Animatic handelt es sich nämlich quasi um das animierte Storyboard. Es legt verbindlich Bewegungsabläufe, Timings und die auditive Ebene fest. Es gibt bereits einen genauen Eindruck über Kamera-und Objektbewegungen, Timings und die auditive Ebene. Auf Tonebene wurde ein Voiceover benutzt, welches auditiv durch die Animation führt und die bildlichen Informationen unterstützt. Zudem wurde Hintergrundmusik verwendet, um die Stimmung zu setzten und Nostalgie zu entwickeln. Außerdem wurden für mehr Lebendigkeit Sounds bei bewegten Gegenständen, wie z.B. dem Blättern des Fotoalbums, eingesetzt, was zusätzlich die Aufmerksamkeit auf diese Gegenstände lenkt. Das Animatic dient somit als genaue Planungsgrundlage für die finale Animation. Auch bei der besten Planung kann etwas später anders wirken, als es zunächst den Anschein machte, weshalb zwei kleine Änderungen, einmal beim Teller und einmal beim Ende vorgenommen wurden.

Darstellungsstil

Um die finale Animation realisieren zu können, war das Festlegen eines bestimmten Darstellungsstils unerlässlich. Um das Zeit-Thema bzw. das Fotoalbum-Thema im Allgemeinen aufzugreifen, wurde mit einem Vintage Stil gearbeitet. Hierfür wurde mit einem Vintage-Papier im Hintergrund in Kombination mit Collagen gearbeitet. Dies vermittelt Nostalgie und wirkt heimisch und gemütlich. Rosa wurde symbolhaft für die alte Zeit innerhalb der gesamten Animation mit einer Kleiderschürze gekleidet. Da während der Animation Zeitsprünge stattfinden, macht es Sinn, diese visuell zu unterscheiden. Die Gegenwart wird dabei mit farbigen Collagen im Vintage Look symbolisiert, was ein freundliches Look and Feel vermittelt. Da es auch Szenen gibt, in denen ein Foto im Hintergrund unerlässlich für die Bildsprache ist, wurden diese im Sinne eines einheitlichen Stils mit dem Vintage Papier in Transparenz überlegt. Das greift den Stil ohne fotografischen Hintergrund auf und sorgt zudem für eine bessere Figur-Grund Trennung. Die Vergangenheit wird passend zur damaligen Fotografie, in schwarz weiß dargestellt, jedoch Rosa die mit ihrem Gegenwarts-Ich zurückblickt wird in Farbe dargestellt, um die Gegenwart zu symbolisieren.