Modul
User Experience Design
Leistungen
UX/HX Design, 3D Modelling, Visuelle Systeme
Jahr/Semester
2023/ Sem.6
Im Modul User Experience Design sollte ein kreativer, konstruktiver Entwurf im Hinblick auf
aktuell/zukünftig vorherrschende gesellschaftliche Belange konzipiert werden. Im Fokus sollte dabei eine
zukunftsweisende User und Human Experience stehen, wobei fundiertes Spekulative Design erwünscht war. Als
Antwort auf diese Herausforderung wurde von vier Studierenden ein Konzept für den Kehlturm der
Wilhelmsburg unter dem Leitmotiv des Megatrends „Urban Farming“ mit dem spezifischen Unterthema
„Algenzucht“ entwickelt. »Algreen Home« ist eine interaktive Ausstellung, die damit ein aufklärendes und
relevantes Thema behandelt. Die Ausstellung beschäftigt sich umfassend mit dem Thema Algen und bietet dem
Besucher durch die Integration interaktiver Raumelemente einen umfangreichen Einblick in die Welt der
Algen.
Ein zentraler Schwerpunkt lag darauf, eine einzigartige Benutzererfahrung zu schaffen, die den Besucher
auf eine spannende und immersive Reise durch die verschiedenen Räume mitnimmt und ihm dabei ein
informatives Erlebnis bietet. Das übergeordnete Ziel der Ausstellung besteht darin, den Besucher zu
inspirieren, neue Perspektiven aufzuzeigen und zum Nachdenken anzuregen. Die Raumkonzeption strebt an,
sowohl die Vorteile von Algen als auch die heimische Algenzucht auf informative und ansprechende Art und
Weise darzustellen. Dadurch soll ein verstärktes Interesse für dieses nachhaltige und zukunftsorientierte
Thema geweckt werden. Ein weiterer essentieller Bestandteil des Projekts war die Entwicklung von zwei
verschiedenen Konzepten für eine Algenzuchtanlage, die das unkomplizierte Züchten von Algen im häuslichen
Umfeld ermöglichen sollen. Die Ausstellung besteht folglich aus zwei Räumen. Im ersten Raum wird
Aufklärung betrieben und Information vermittelt, während der zweite Raum eine realistische Wohnumgebung
mit einer Algenzuchtanlage präsentiert und erlebbar macht. Die Gestaltung der Ausstellung ist speziell auf
die Räumlichkeiten des Kehlturms der Wilhelmsburg Ulm ausgerichtet, da das Konzept in Austausch und
Rücksprache mit der Leitung entstand, die auf der Suche nach zukünftigen kreativen Raumkonzepten war.
- Aufgabenstellung/Betreuung: Prof. Damian Gerbaulet
Erlebe die Räume im Kehlturm der Wilhelmsburg! Bei einer der Ausstellungen kannst du in die faszinierende Welt der Algen eintauchen...
Die wachsende Knappheit urbaner Flächen, erschwinglicher Gartengrundstücke, mangelndes Wissen über Anpflanzungen, sowie begrenzte Zeit und Infrastruktur für Gemeinschaftsanlagen stellen eine zunehmende Herausforderung dar. Im Gegensatz dazu gewinnt der Megatrend Neo-Ökologie immer mehr an Bedeutung. Ziel ist es, die Natur auf sinnvolle und nachhaltige Weise zu gestalten und zukunftsfähige, pragmatische Lösungsansätze zu entwickeln. Ökologische Landwirtschaft, erneuerbare Energien, nachhaltiger Tourismus, verantwortungsbewusster Konsum und ressourceneffizientes Wirtschaften gewinnen so zunehmend an Bedeutung und Relevanz. Die Gestaltung der Räume konzentriert sich daher auf die Lösung dieses Problems und folgt einem Leitmotiv: „Rückbesinnung zur Natur und Entschleunigung durch nützliche Integration von Algen im urbanen Raum.“ So stand der Subtrend „Urban Farming“ im Fokus der Konzeption. Eine ausführliche Recherche zeigte, dass sich vor allem Algen aufgrund ihrer zahlreichen Vorteile und Nutzen hervorragend für die Integration im urbanen Raum eigenen. Sie enthalten eine Vielzahl von Nährstoffen/Mineralien und können auf engem Raum wachsen, was angesichts einer fortschreitenden Urbanisierung und damit einhergehenden Platzmangel von Bedeutung ist. Dadurch sind Algen nicht nur für Veganer/Vegetarier ein wertvolles Nahrungsmittel, sondern weisen bahnbrechendes Potenzial für die Ernährung aller Menschen auf.
Die Vorteile von Algen sind vor allem in der westlichen Gesellschaft weitgehend unbekannt, wodurch zunächst Aufklärungsarbeit notwenig ist. Dafür wurde ein Aufklärungsraum zum Thema Algen konzipiert und gestaltet, der zudem die Interesse des Besuchers für das Thema wecken soll. Die eigentliche Idee der Integration von Algen im urbanen Raum, wird umgesetzt durch die Entwicklung von zwei verschiedenen Algenzuchtanlagen, die speziell für den Heimgebrauch optimiert sind und je nach Modell unterschiedliche Bedürfnisse decken. Durch ein ansprechendes Design und eine gute Rentabilität soll der Besucher dazu ermutigt werden, eine eigene Algenzucht zu Hause zu starten. Die Algenzucht bietet nämlich eine vielversprechende und zukunftsweisende Nahrungs- und Nährstoffquelle, die ideal für den Anbau in privaten Haushalten geeignet ist, da sie mit relativ geringem Aufwand betrieben werden kann. In einem Vorstellungsraum soll die Algenzuchtanlage auf ansprechende Weise präsentiert werden, um die Besucher für die zukunftsorientierte Möglichkeit des „Urban Farming“ zu sensibilisieren. Zusammen ergeben die zwei Räume eine interaktive Ausstellung, die alle Besucher inspirieren, ihnen neue Perspektiven aufzeigen und zum Nachdenken anregen sollen. Die Zielgruppe umfasst zunächst die Besucher des Kehlturms sowie Personen, die an zukunftsorientierten Möglichkeiten interessiert sind. Das Projekt zielt langfristig jedoch darauf ab, alle Menschen anzusprechen, da die Algenzucht als äußerst zukunftsorientiert gilt und im Idealfall für jeden interessant und attraktiv sein sollte.
Durch die Kombination von explorativem Aufklärungsraum und anwendungsorientiertem Vorstellungsraum wird bei dem Besucher ein Bewusstsein für Algen als wertvolle Ressource geschaffen. Gleichzeitig wird die Bedeutung von Urban Farming in Form einer heimischen Algenzucht als zukunftsweisende Option für die Lebensmittelproduktion in städtischen Gebieten verdeutlicht. Auf diese Weise trägt das Projekt maßgeblich zur Förderung einer nachhaltigen und naturverbundenen Lebensweise in der städtischen Bevölkerung bei. Um eine optimale Benutzererfahrung zu gewährleisten, wurden verschiedene Raumelemente entwickelt und mit Photoshop zu realistischen Kompositionen zusammengestellt. Diese Kompositionen ermöglichen einen authentischen Einblick in die Räumlichkeiten und vermitteln eine klare Vorstellung davon.
Da die vielfältigen Nutzen und Vorteile von Algen in der westlichen Gesellschaft wenig bis gar nicht bekannt sind, ist umfassende Aufklärung notwenig. Aus diesem Grund wurde ein spezieller Aufklärungsraum konzipiert und gestaltet, der den Besuchern einen Einblick in die faszinierende Welt der Algen bietet und gleichzeitig gesundheitliche und ökologische Aspekte beleuchtet. Durch den Aufklärungsraum soll nicht nur Wissen vermittelt werden, sondern ebenso das Interesse des Besuchers für das Thema Algen geweckt werden. Durch verschiedene Raumelemente entsteht eine angenehme und erlebnisreiche Umgebung, in der es überall etwas zu entdecken gibt. Es werden sowohl analoge als auch digitale Präsentationsformen genutzt, um verschiedene Zielgruppen anzusprechen.
Eine Serie einheitlich gestalteter Plakate zeigt das Aussehen verschiedener Algentypen mit ihren Nutzen. Mittig im Raum befindet sich eine Litfasssäule, die Unterschiede von Makro- und Mikroalgen verdeutlicht. Um die organische Beschaffenheit der Algen besser zur Geltung zu bringen und eine mystische Atmosphäre zu erzeugen, werden Algenillustrationen und sanfter grüner Schimmer auf die Säule projiziert. Eine an die Wand projizierte Animation verdeutlicht, dass Algen äußerst bedeutsam und unverzichtbar für unser Leben auf der Erde sind. Im Laborbereich erlangt der Besucher einen tieferen Einblick in die Welt der Algen und wird dazu ermutigt, aktiv zu werden. Mit einem Mikroskop können so Algenstrukturen untersucht oder unterschiedliche Algentypen in Petrischalen genauer betrachtet werden. Neben dem Labortisch steht ein digitaler Tisch, der durch anschauliche Infografiken die gesundheitlichen Vorteile von dem Verzehrs von Algen aufzeigt. Ein anatomischer Körper, der an einer Algeninfusion hängt, verdeutlicht symbolisch diesen Zusammenhang. Außerdem gibt es eine „Digital Wall“, auf der das gesamte erworben Wissen im Rahmen eines Quiz getestet werden kann. Durch gezielte Beleuchtung der einzelnen Elemente im Raum und das bewusste Fehlen einer allgemeinen Lichtquelle wird der Besucher ermutigt, näher an die Elemente heranzutreten und sie genauer zu betrachten. Eine dezente grüne Beleuchtung spiegelt die Eigenschaften der Algen wider und sorgt für für eine mysteriös wirkende Lichtstimmung , die an ein geheimnisvolles Labor erinnert.
Im Vorstellungsraum werden zwei verschiedene Algenzuchtanlagen präsentiert, um die Besucher für die innovative Möglichkeit des Urban Farmings zu sensibilisieren. Der Raum dient dazu, die Besonderheiten und Potenziale der Algenzucht im städtischen Umfeld anschaulich vorzustellen und das Bewusstsein für nachhaltige Lebensmittelproduktion zu fördern. Dafür wurde eine modulare Algenzuchtanlage sowie ein mobiles Algenzucht-Filtersystem für den Heimgebrauch entwickelt. Diese innovativen Lösungen sollen den Besuchern einen attraktiven Anreiz bieten, selbst mit der Algenzucht zu beginnen, da sie eine äußerst vielversprechende Quelle für Nahrung und Nährstoffe darstellt, die sich auch im heimischen Umfeld umsetzen lässt.
Im zweiten Raum erwartet den Besucher ein gemütlicher Wohnbereich, in dem im Vergleich zum ersten Raum eine warme und einladende Lichtstimmung eingesetzt wurde. Eine modulare Algenzuchtanlage fungiert als Schrank und zeigt, wie Algenzucht nahtlos in ein Wohnzimmer integriert werden kann. Ein bequemes Sofa mit zwei Sesseln lädt den Besucher ein, Platz zu nehmen und die ästhetische Kombination aus Möbeln und Urban Farming zu genießen. Die benutzerfreundliche und kompakte Bauweise der mobilen Algenzuchtanlage ist im Gegensatz zum modularen System handlicher und wurde auf einem Tisch platziert. Eine prototypisch gestaltete App bietet die Möglichkeit, die Algenzuchtanlagen ganz einfach zu steuern und einen detaillierten Überblick über die eigene Algenzucht zu erhalten. Eine Reihe von Plakaten erklärt anschaulich die Funktionsweise der Anlagen und gibt nützliche Informationen für den eigenen Gebrauch. Eine Algenprobierstation bietet dem Besucher außerdem die Möglichkeit, Algensnacks zu probieren und sich einen geschmacklichen Eindruck zu verschaffen, wie Algen in alltägliche Lebensmittel integriert werden können.
Um die Algenzuchtanlagen optimal auf die Bedürfnisse der Zielgruppe abzustimmen, war es unerlässlich, durch eine umfassende Recherche ein fundiertes Verständnis für das gesamte Themenspektrum der Algenzucht zu entwickeln. Eine entscheidende Erkenntnis war, dass die Algenart „Spirulina“ am besten für den Anbau in Wassertanks geeignet ist, was für den angestrebten Heimanbau ideal ist. Spirulina ist ein einfacher Organismus, der in warmem Wasser leicht wächst. Nach der Ernte kann Spirulina getrocknet werden, wodurch ein äußerst nährstoffreiches Pulver entsteht, das reich an Vitaminen, Mineralien, Eiweiß und Antioxidantien ist. Dieses Pulver kann vielfältig verwendet werden, beispielsweise in Speisen wie Smoothies oder in kosmetischen Produkten wie Gesichtsmasken. Die Recherche ergab, dass bisherige Algenzuchtanlagen für zuhause eher hobbymäßige Projekte und in Bezug auf Handhabung und Ästhetik eher umständlich und für den alltäglichen Gebrauch wenig geeignet sind. Um eine optimale Benutzererfahrung sicherzustellen, wurden deshalb zunächst alle Anforderungen definiert. Besonders wichtig ist eine einfache Funktionalität, die wenig Zeit in Anspruch nimmt und eine unkomplizierte Ernte der Algen ermöglicht. Die Anlage sollte nahtlos in jeden Wohnraum integrierbar sein, egal ob optisch im Hinblick auf den Einrichtungsstil oder platztechnisch im Hinblick auf begrenzten Platz wegen zunehmender Urbanisierung. Verfolgt wurden so zwei verschiedene Ansätze, eine Modulare Algenzuchtanlage und eine mobile Variante.
Die modulare Algenzuchtanlage basiert auf der innovativen Idee eines modularen zukunftsorientierten Multitasking-Möbelstücks, das nahtlos in jede individuelle Wohnsituation integriert werden kann. Das Ziel war, ein modulares System zu schaffen, das jedem die Möglichkeit gibt, es entsprechend seinen individuellen Bedürfnissen zusammenzustellen. Dieses System bietet die Möglichkeit zur Algenzucht, zusätzlichen Stauraum und kann als Raumtrenner genutzt werden. Durch steckbare Rohrverbindungen können die Algentanks individuell miteinander verbunden werden, wodurch ein zirkuläres System entsteht. Dieses System hält das Wasser-Algengemisch mithilfe einer Pumpe im ständigen Umlauf. Die Algen werden automatisch durch ein Filtermodul ausgesondert und können anschließend einfach und bequem aus der dazugehörigen Schublade entnommen werden. Das ständig zirkulierende Algenwasser-Gemisch wird durch ein Filtermodul geleitet. Sobald der Filter voll ist, sendet die Anlage automatisch eine Nachricht auf das Smartphone, um anzuzeigen, dass die Algenzucht erfolgreich war und die Filterschublade entleert werden kann. Durch dieses Filtermodul wird eine schnelle und unkomplizierte Ernte ermöglicht. Um das Konzept anschaulich zu visualisieren, wurden 3D-Render in Blender erstellt.
Bei der mobilen Algenzuchtanlage wurde eine Komplexitätsstufe tiefer angesetzt. Die Funktionsweise soll im Kern dieselbe bleiben – Fokus auf einfacher Bedienung und einem hohen Nutzfaktor, dafür aber weg vom Möbelstück und hin zur Skulptur für den Innenraum. Das Design orientiert sich an der Funktion. Das Objekt besteht aus einem Edelstahlgehäuse, in dem sich zwei Glaszylinder mit unterschiedlichen Durchmessern befinden. Zudem sind darin elektronische Elemente verbaut. Im Gehäuse befindet sich eine Schublade, die zum Entnehmen der Ernte und zum Einsetzen der Nährstoffbatterie dient. Der äußere Glaszylinder fungiert als Lebensraum für die Algen und ist innerhalb des Edelstahlgehäuses platziert. Er wird von oben und unten durch LED-Ringe beleuchtet. In der Mitte des Zylinders befindet sich ein weiterer Glaszylinder, der leer bleibt. Bei der Ernte werden bestimmte Mengen der Algen in den inneren Zylinder übertragen. Die Flüssigkeit fließt dann langsam durch ein Sieb am unteren Ende, das die Algen auffängt. Das gefilterte Wasser wird dann wieder dem äußeren Tank zugeführt. Dieser gesamte Prozess wird automatisch durchgeführt, sobald der Nutzer den Erntevorgang einleitet, ohne, dass er dabei eingreifen muss. Das Objekt besticht durch seine hochwertige Optik und erfüllt nicht nur den Zweck der Algenernte, sondern dient auch als ansprechendes, dekoratives Leuchtelement und Lufterfrischer. Ein reduziertes 3D-Modell dieses Objekts wurde in Blender erstellt.
Um das Projektthema visuell ansprechend und passend umzusetzen, wurden verschiedene Algen in einem Fineline-Stil illustriert. Diese Illustrationen sind durch das gesamte Projekt-Design präsent und bilden die Basis für das Corporate Design und das Logo. Weiter wurde eine Farbpalette definiert, die helle Akzentfarben und passende dunklere Hintergrundfarben umfasst. Die Farbskala reicht von Grüntönen bis zu Blautönen, um die atmosphärische Stimmung des Projekts in Bezug auf Algen widerzuspiegeln. Als Grundschirft wurde „Baloo Tammundu“ ausgewählt, eine Schriftart mit organischen Rundungen, die einen harmonischen und natürlichen Eindruck vermittelt. Die Akzentschrift „Canela“ hingegen zeichnet sich durch ihre filigranen Serifen aus, die die Formen verschiedener Algenarten widerspiegeln.
Diese Gruppenarbeit, bestehend aus vier Mitgliedern, war durch einen strukturierten aber dynamischen Prozess
geprägt. Während die Kernaufgaben in der Konzeptionsphase gemeinsam im gesamten Team erarbeitet wurden,
erfolgte die detaillierte Ausarbeitung in der anschließenden Umsetzungsphase in individuellen
Fokusbereichen. Die Realisierung dieser Schwerpunkte erfolgte dabei aber stets in einer engen Abstimmung und
in gegenseitigen Unterstützung, wodurch jedes Teammitglied jederzeit vollen Einblick in alle Prozesse hatte
und projektübergreifend mitwirkte. Dies stellte die erfolgreiche und termingerechte Fertigstellung der
Projekte jederzeit sicher. Meine Aufgaben waren vor allem die Konzeption und Gestaltung der Modularen
Algenzuchtanlage, das dazugehörenden 3D-Modelling in Blender, die Gestaltung der dazugehörenden Infoplakate
und das Corporate Design der Ausstellung.
Teammitglieder: Nisa-Meryem Çekmeci, Rica Krug, Markus Leukel, Katja Schnitzler