Eine Reise in den Süden

3D-Rendering eines inszenierten Heros-Objekts


Modul

Computergrafik

Leistungen

3D-Modelling/-Rendering, Bildkonzeption, Bildbearbeitung

Jahr/Semester

2021/ Sem.4


Projektbeschreibung

Bei diesem Projekt war Aufgabe, eine 3D-Szene mit Hilfe des Programms 3Ds Max zu erstellen, in der ein Hero-Objekt in einem, zu ihm passenden und spannenden Setting inszeniert wird. Der Hero sollte dabei spannend in seiner Form sein, gleichzeitig aber auch eine Geschichte haben beziehungsweise erzählen können, damit eine interessante Rahmenszene dazu konstruiert werden konnte. Die finale Entscheidung bei der Wahl des Heros fiel auf eine Vintage-Kamera, die in einer Urlaubsszene inszeniert wurde. Die Szene stellt eine Balkonszenerie des Italiens der 1950/60er dar und soll eine typische Urlaubsszene aus dieser Zeit zeigen. Das ist genau die Zeit, in der erste Italienurlaube bei der Deutschen Bevölkerung ziemlich populär wurden. Die Szene trägt den Titel "Eine Reise in den Süden", angelehnt an das Lied "Zwei kleine Italiener" von Conny Froboess aus dem Jahr 1962. Auch dieses Lied greift thematisch unter anderem die Thematik einer typischen Italienreise zu dieser Zeit auf. Angestrebt wurde dieses Setting aufgrund des ausgewählten Heros der Szene. Bei diesem handelt es sich nämlich um die Vintage Kamera "Agfa Clack 6042/020“, die selbst aus den 50/60ern stammt. Durch genau dieses Urlaubs-Setting, wird sowohl die Funktion der Kamera, Erinnerungen festzuhalten, perfekt aufgegriffen, wie auch ein zeitlicher Bezug zum Hero gezogen. So soll hier die sooft mit Italien verbundene Lebensart "Dolce Vita" zum Ausdruck gebracht werden. Durch einen Retrolook soll die Szene die "gute alte Zeit" darstellen und nicht zuletzt einen Hauch von Nostalgie vermitteln.
Aufgabenstellung/Betreuung: Prof. Thomas Hofmann

Der Hero

Als finaler Hero wurde die Vintagekamera "Agfa Clack 6042/020“ ausgewählt. Diese Kamera wurde erstmals im Jahr 1955 hergestellt. Ihr Gehäuse besteht aus schwarzem Plastik, welches sowohl in glatter Optik, als auch in strukturierter Form Einsatz findet. Weiter bestehen Knöpfe und das Objektiv aus mattem Metall, welches trotz seiner matten Optik zum Teil Licht reflektiert. Die Kamera selbst befindet sich in einer Aufbewahrungstasche aus dunkelgrünem Kunstleder, welche umgehängt werden kann. Die Kamera besteht aber nicht nur aus verschiedenen Materialien, die allesamt interessant zum Rendern sind, sondern ist an sich schon ein interessantes Objekt. Retrokameras sind in der heutigen Zeit wieder sehr im Trend, deshalb ist es interessant zu sehen, wie eine echte Vintagekamera aussieht, gerade auch im Vergleich zu heutigen modernen Kameras. Außerdem besitzen Kameras immer einen gewissen Charme und Charakter, je nachdem aus welcher Zeit sie stammen. Sie sind ein persönlicher Gegenstand, mit dem der Besitzer meist emotionale Erinnerungen verbindet (Urlaube, Feste etc.). Sie sind Zeitzeugen der Fotografiegeschichte und vielleicht auch gerade deswegen als Sammlerstücke sehr beliebt. Aber jede Kamera hat auch ihre eigene Geschichte, je nachdem, was sie für einen Besitzer hat/hatte. Genau so eine Geschichte soll in der Arbeit visualisiert werden: Die Kamera stammt aus den 50/60ern, der Zeit, in der erste Italienurlaube bei der Deutschen Bevölkerung ziemlich populär wurden. So soll die Szene in einer typischen Umgebung eines Italienurlaubes der 50/60er spielen. Dieses Thema gibt viel Raum für verschiedene Inszenierungen, wie man nun im Folgenden sehen kann.

Szenenaufbau verschiedener Ideen

Um die bestmögliche Szenerie passend zum ausgewählten Thema zu gestalten, wurden verschiedene händisch skizzierte Entwürfe erarbeitet, in denen der Hero jeweils auf eine andere Art und Weise inszeniert wurde. Um die angestrebte Zeit visuell auszudrücken, wurde darauf geachtet, dass neben der Vintagekamera diverse Accessoires, wie ein großer Sonnenhut, eine Sonnenbrille oder Retrostoff, verwendet werden, die ein Indiz auf die darzustellende Zeit geben. Bei der finalen und ausdrucksstärksten Szene handelt es sich um eine Balkonszene, die einer Mischung aus den beiden anderen Balkonszenen entspricht und deren beste Elemente vereint. Wie schon zuvor erläutert, soll diese im Italien der 1950/60er spielen. Sie soll ein Ausschnitt eines typischen Italienurlaubes zu dieser Zeit zeigen. Im Vordergrund sieht man einen Tisch, auf welchem die Kamera platziert wird. Ein Sonnenhut und eine Sonnenbrille wurden bei dieser Inszenierung zusätzlich hinzugefügt, da erkannt wurde, dass diese Elemente in einer anderen Inszenierung ziemlich gut funktionieren. Die Szene trägt den Titel "Eine Reise in den Süden", angelehnt an das Lied "2 kleine Italiener" von Conny Froboess aus dem Jahr 1962. Auch dieses Lied hat unter anderem die Thematik einer Italienreise.

Szenenaufbau und Positionierung Final

Die Szene wurde im Querformat 16:9 (Full HD) angelegt. Da es sich bei dem Hero um das Hauptelement handelt, auf welchem der Augenmerk liegt und dem Betrachter als erstes ins Auge fallen soll, wurde bei der Positionierung darauf geachtet, diese Kriterien zu berücksichtigen. So wurde der Hero in prägnanter Größe in einem Schnittpunkt des Drittel Raster positioniert. Da das Drittel Raster auf dem Goldenen Schnitt basiert, entsteht so ein visuelles Gleichgewicht in der Komposition, was die gesamte Szene visuell ansprechender und „aufgeräumter" wirken lässt. Dadurch entsteht zusätzlich ein gutes Spannungsverhältnis im Bild. Durch den leicht schrägen Blickwinkel wirkt die Komposition dynamisch aber trotzdem noch natürlich. Um den Hero nochmals verstärkt hervorzuheben, wird im Hintergrund mit verringerter Schärfentiefe gearbeitet. Somit bekommen Objekte im Vordergrund mehr Detailgrad, wodurch eine plastische und räumliche Wirkung entsteht. Dadurch wird der Blick des Betrachters nochmals verstärkt auf die Kamera im Vordergrund gerichtet.

Look and Feel

In der Szene wird durch ein sommerliches Ambiente mit warmem Licht die sooft mit Italien verbundene Lebensart „Dolce Vita“ zum Ausdruck gebracht, welche genau zu dieser Zeit ihren Ursprung hat (Bsp. Film von Federico Fellini „La Dolce Vita“ aus dem Jahr 1960). Durch den angestrebten Retrolook, spiegelt die Szene die „gute alte Zeit“ wider und vermittelt nicht zuletzt einen Hauch von Nostalgie. Das gewünschte Look and Feel wird vor allem durch das Verwenden von natürlichen, warmen Farbtönen erreicht. Im Sinne des Retrolooks werden verstärkt Farben wie Türkis und Orange verwendet. Alle anderen Farben werden ebenso in warmen Nuancen verwendet, um den gewünschten Retrolook zu erhalten.

Erstellung der Szene

Für die Umsetzung der geplanten Szene wurde zunächst damit begonnen, die grundlegende Elemente aufzubauen. Diese bestehen aus dem Grund, der Mauer und dem Geländer. So konnte bereits ein Gefühl dafür entwickelt werden, wie die einzelnen Objekte später platziert werden müssen. Zunächst wurden zum Teil jedoch Platzhalter verwendet. Im späteren Verlauf wurden diese dann, für mehr Übersichtlichkeit, in externen Szenen erstellt und importiert. Bei den Materialien für die Terrasse, also die Location, in der die Szene aufgebaut ist, wurde darauf geachtet, dass Materialien verwendet werden, die dem angestrebten Riviera/Toskana Stil entsprechen. Es wurde dabei vor allem mit Sandstein-Textur in hellem, warmen Beige gearbeitet. Im weiteren Verlauf wurde eine „Physical Camera“ in der 3Ds-Max Szene platziert und Lichtquellen gesetzt. Bei dem Licht handelt es sich um ein sog. „Environment-Licht“, welches zugehörig zu dem Hintergrund ist - ein warmes, orangeliches Sonnenlicht. Zusätzlich, um den Schatten aufzuhellen und den Hero so gut erkennbar zu machen, wurde von vorne ein Aufhelllicht („Spotlight“) auf den Hero gerichtet. Dieses wurde aber so gering gehalten, dass die natürliche Schatten des Sonnenlichts erhalten bleiben. Somit kann ein natürlicher Look beibehalten werden.

Erstellung Hero

Für die Erstellung des Heros wurde zunächst der Grundkörper erstellt. Aus dieser Grundform heraus wurden die restlichen, zum Körper gehörenden Teile (Deckel etc.) heraus modelliert. Da die Kamera zwei verschiedene Materialien besitzt, nämlich glattes schwarzes Plastik und schwarzes Plastik in Schlangenleder-Optik, mussten alle Teile separat voneinander angefertigt werden. So konnten alle Teile im späteren Verlauf mit unterschiedlichen Materialien versehen werden. Da alle Teile aus der gleichen Grundform heraus modelliert wurden, passen sie perfekt ineinander, wodurch ein einheitliches Gehäuse entsteht. Aus diesem Grund wurde ebenfalls die Tasche aus der Grundform heraus modelliert. Diese wurde dann so verformt, dass sie der echten Tasche und deren organischen, verformten Lederoptik nahe kommt. Um der Lederoptik gerecht zu werden, wurde diese mit einem grünen Leder-Material belegt. Daraufhin wurde das Objektiv modelliert. Hierbei war wichtig, im Inneren zwischen Linse und Glasabdeckung einen Hohlraum zu lassen, damit alles realistisch aussieht. Der echten Kamera entsprechend wurde das Objektiv mit mattem, gebürsteten Metall, etwas reflektierendem Metall und schwarzem Plastik belegt. Die Beschriftung des Objektivs erfolgte dabei mit einer „Bitmap“ und dem „Transparency Kanal“. Zuletzt wurde alle Knöpfe und Schalter detailgetreu modelliert und je nach originaler Beschaffenheit jeweils mit den zwei unterschiedlichen Metallen, die auch schon bei dem Objektiv verwendet wurden, belegt.

Hintergrundelemente

Bei den Hintergrundelementen wurde darauf geachtet, dass sie stilecht passend zu dieser Zeit sind. Sie dienen als Indikatoren der Zeit und lassen die Szene authentisch wirken lassen. Zum einen gibt es Hintergrundelemente, die elementar zur Szenenumgebung gehören, also zum Ort an dem die Szene spielt (z.B. Sonnenschirm, Stühle). Zum anderen gibt es Hintergrundelemente, welche als Accessoires dienen (Sonnenbrille, Sonnenhut etc.). Sie werden in der Szene platziert, um im Bild einen persönlicheren, authentischeren Eindruck zu vermitteln. Beim Modellieren wurden verschiedenste Methoden angewandt, um die einzelnen Objekte möglichst realistisch und effizient zu kreieren. In diesem Sinne wurden so später nicht im Ausschnitt sichtbare Elemente einzelner Objekte, wie zum Beispiel das Unterteil der Stühle, ausgelassen. Bei allen Objekten wurde darauf geachtet, passende und realistisch wirkende Strukturen und Texturen daraufzulegen.

Unterschiede Planung und Endergebnis

Die Skizze diente als Realisierungsplan, doch in der Realisierungsphase ergaben sich noch einige Änderungen die im Sinne eines stimmigen Gesamtergebnis vorgenommen wurden. Wie man so im direkten Vergleich sehen kann, wurde im Vergleich von der Skizze zu dem finalem Render eine leichte perspektivische Veränderungen vorgenommen, da bei der Skizze der Tisch im Vergleich zu der Kamera und dem Hut viel zu klein wirkt. Zudem wurde die Aufsicht verringert, da die Szene so authentischer und der Ausschnitt nicht zu gestellt aussieht und alles in allem eine stimmigere Komposition ergibt. Noch ein Unterschied ist, dass der Stuhl, der in der Skizze ziemlich verloren im Hintergrund steht, durch zwei Stühle ersetzt wurde, welchem unmittelbar am Tisch stehen und so zugehörig zu diesem erscheinen. Zuletzt wurden die Pflanzen in der Realisierung durch Palmen ersetzt, um den südlichen Flair zu unterstützen.

Postproduktion

Schon zu Beginn wurde darauf geachtet, möglichst alles in der Szene so aufzubauen, dass es dem gewünschten Endergebnis entspricht. So wurde beispielsweise der Hintergrund bereits hier unscharf gemacht und die Lichttemperatur angepasst, was durch eine Einstellung in der „Environment-Map“ möglich war. In der Postproduction wurde dann ausschließlich in Lightroom ein Farbfilter erstellt, um den Vintage-Look farblich nochmals zu verstärken. Dabei wurden die mittleren Lichter aufgewärmt und die Tiefen etwas rötlich eingefärbt.

Finales Ergebnis

"Eine Reise in den Süden", Katja Schnitzler
3D-Render, Verhältnis 16:9